30.10.2016 Der Drachenlauf – auch für Triathleten!?

Der Kampf gegen die Uhr gehört bei den meisten Triathleten zur sportlichen DNA. So achten wir im Schwimmbad auf eine richtige Einteilung beim Start, wir platzieren unsere Sieben Sachen penibel in der Wechselzone und wir üben den Start auf die Radrunde mit eingehängten Schuhen, um ja keine wertvolle Sekunde für die Ergebnisliste zu vergeuden. Nicht abgesperrte Strecken sind uns ein Gräuel, querlaufende Fußgänger auf der Laufstrecke eine unmögliche Bedrohung und Socken ein überflüssiges, weil zeitraubendes Utensil unserer Sportausübung.

So gesehen war es ein großer Fehler, den die drei Läufer/Triathleten des Angerland LT

im Siebengebirge begingen. Denn sie nahmen in Thomasberg am Drachenlauf im Siebengebirge teil. 26 km mit knapp 1000 Höhenmeter auf nicht abgesperrten Strecken voller Sonntagsspaziergänger. Ein Start ohne Nettozeitnahme, Kilometer mit ungenauer Vermessung und Wendepunkte, an denen die Streckenposten selbst nicht wussten, ob er rechts oder links herum zu umlaufen sei. Verpflegungsstellen ohne Gel und isotonische Getränke, dazu eine Sektprobe nach dem Schlussanstieg. Nein, das kann nichts für Triathleten sein!

Oder doch? Ruth, Bernd und Lars haben sich darauf eingelassen. Bereut hat es wohl keiner. Einen veritablen Muskelkater und eine Menge Kopfkino waren die Belohnung für die Mühen. Bei bestem Herbstwetter erklommen sie die höchsten Höhen des Siebengebirges und genossen immer wieder herrliche Ausblicke auf bunte Wälder und das Rheintal. Wege (neudeutsch: Single Trails), die zu steil zum Laufen waren, rasante Gefällstrecken und eine Menge an netten Läufern unter den knapp 750 Teilnehmern begleiteten sie über den Tag. Der Blick auf den Kilometerschnitt erübrigte sich schon nach dem ersten. Es ging direkt steil hinauf (über acht Minuten beim Schreiber dieser Zeilen, und das war bei weitem nicht sein langsamster Kilometer).

Allerdings ist die Strecke auch viel zu eindrucksvoll, um sie schnell zu rennen. Über den Ölberg, die Löwenburg und das besucherstarke Drachenfelsplateau ging es durch den Park der Drachenburg (welcher sonst für die Öffentlichkeit gesperrt ist) zu einer steilen Treppe, bevor nach dem Nachtigallental der Schlussanstieg wartete. Der sagenumwobenen Petersberger Bittweg. Er ist fast so schwer zu beschreiben wie zu beschreiten! Es geht nur steilst bergan. Nicht enden wollend durch den Wald, bis irgendwann in weiter Ferne die Sambatrommeln einer Kombo das baldige Ende der Marter ankündigen. Oben nah am Schlosshotel Petersberg wartete dann tatsächlich noch Sekt auf die Teilnehmer. 20 schwere Kilometer in den Beinen ließen die Angerländer aber von der kleinen Sünde Abstand nehmen.

drachenlauf

Nach den sechs abschliessenden Kilometern traf man sich im Ziel wieder. Zeiten waren relativ egal. Freude und Zufriedenheit wohin man schaute. Ein herrlicher Lauf, eine tolle Herausforderung, ein wunderbares Erlebnis. Dringend zur Nachahmung empfohlen. Auch für Triathleten. Aber nichts für Zeitenjäger!

(Wer es trotzdem wissen will: Ruth Küssner brauchte 3.18.08h, Bernd Küssner 3.02.08 h, Lars Terörde 3.17.15 h)

Lars Teröde für den Angerland LT Lintorf

Kommentare sind geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: