Und das alles für Gratis-Bananen …

Wann ich auf die Idee gekommen bin, mal an einem Marathon teilzunehmen, weiß ich nicht mehr. Jedenfalls bekommt man in meinem Alter dann ab und  zu hören: „Bist du in der Midlife Crisis, oder warum willst du das machen?“

Vermutlich war der Grund für diese Idee nicht, dass es während des Marathons reichlich Gratis-Bananen gibt, sondern eher, dass ich jetzt mehr Zeit für das Training habe und meine Grundkondition besser ist, als noch vor einigen Jahren.

Das Projekt „Frankfurt-Marathon“ hat sich jedenfalls beim Angerland Lauftreff entwickelt. Zuerst gab es dafür eine Anmeldung von einem routinierten Läufer, dann waren es schnell drei und danach wollten auch noch ein paar Neulinge einen Marathon laufen, wozu auch ich gehörte.

Meine Ausdauer und auch die meiner Mitläufer (Andrea, Christel und Norbert) war schon ganz beachtlich, aber ob diese wohl für einen Marathon ausreichen würde? Allein das Wort MARATHON flößte mir und auch den anderen Debütanten gehörigen Respekt ein.

Die erfahrenen Angerländer hatten da andere „Probleme“.  Dirk, Holger und Carsten wollten gerne in einer guten oder gar in Bestzeit ins Ziel kommen. Was auch gelingen sollte!

Mein 12-Wochen-Plan aus einem bekannten Marathon-Buch war gut strukturiert und eigentlich einfach umzusetzen. Ein wenig Stress machte mir, dass ich nach einigen Wochen des Aufbautrainings an die wirklich langen Läufe kam und dazu jeden Sonntag um 6.30 Uhr aufstehen musste, weil wir uns meist zu viert getroffen haben , um „Kilometer zu machen“.

Dafür haben wir uns eine asphaltierte 5km-Strecke ausgesucht, um quasi Runden zu laufen, was den Vorteil der optimalen Versorgung mit Getränken und Essen am abgestellten Auto hatte.

Das Wetter hat uns dabei so richtig verwöhnt. Goldener Herbst bei  jedem Lauf. Woche für Woche, unaufhaltsam, rückte allerdings der große Tag näher…

Nach vielen, vielen Trainings-Kilometern war dann endlich das Marathon-Wochenende da. Sonntag den 28. Oktober sollte es in Frankfurt losgehen. Am Samstagmorgen um 7.00 Uhr wurde der letzte Probelauf im Stockdüsteren durch den Lintorfer Wald absolviert. Ein paar Angerländer sind an diesem Morgen sogar noch den Brezellauf in Frankfurt gelaufen, den ich allerdings nicht in Betracht zog, da wir dann schon sehr früh nach Frankfurt hätten fahren müssen.

Ich habe am Samstagmorgen ein entspanntes Frühstück mit Norbert und unserer Unterstützerin Henni vorgezogen. Danach dann ging es endlich auf große Fahrt an den Main.

In Frankfurt haben wir zunächst im Hotel eingecheckt und sind dann zum Messegelände gegangen, um die Startunterlagen und den Starterbeutel abzuholen. Dafür mussten wir uns in eine irre lange Schlange anstellen – ganz schön viel  los auf so einer Marathon-Veranstaltung!

Es gab auch eine Marathon-Messe mit jeder Menge Stände mit Laufartikeln und Marathonreiseveranstaltern. Nach ein bisschen  Rumschlendern haben wir einige unserer Angerländer Mitläufer und Unterstützer getroffen und uns entschlossen, die Pasta-Party zu besuchen und haben nebenbei auch einen ersten Eindruck von der Frankfurter Festhalle bekommen.  Sehr beeindruckend!

Der Abend wurde gemeinsam mit 11 Angerland Lauftreff-Mitgliedern in einer Frankfurter Pizzeria verbracht und die „alten Laufhasen“ haben uns Neulingen noch den ein oder anderen Tipp bezüglich der richtigen Bekleidung und der Strecke gegeben. Für die vielen hilfreichen Tipps (auch im Laufe der Vorbereitung) an dieser Stelle noch mal ein großes Dankeschön.

 

Zeitig sind wir alle in unsere Hotels gegangen, um am nächsten Morgen fit für den großen Lauf zu sein. Geschlafen haben wir nur mäßig gut, aber vielleicht wird eine erholsame Nacht überbewertet?!

 

Das Frühstück am nächsten Morgen bestand lediglich aus einer Tasse Kaffee, einem isotonischen Getränk und einem Brötchen mit Honig, obwohl das Frühstücksbuffet des Hotels so viel mehr hergab. Aber was tut man nicht alles für einen guten Lauf.

Kurz vor dem Start haben wir noch ein gemeinsames Fotos mit allen Angerland Läufern und unseren großartigen Unterstützern (Anke, Henni, Martina und Frank – vielen lieben Dank) gemacht und danach nichts wie ab in unseren Starterbereich.

Ich habe mich, zusammen mit Andrea, Christel und Norbert nach ganz hinten eingereiht; aber auch dort war die Stimmung toll. Wir haben uns gegenseitig noch einmal angefeuert und hatten noch den ein oder anderen kleinen Smalltalk mit anderen Läufern, unter anderem dünn bekleideten Zwillingen aus Island. Ganz schön international dieser Marathon.

Nach ein paar Minuten, die wir frierend durchstehen mussten, da das Wetter sehr kalt und windig war, sind wir über die Startlinie gelaufen. Ich war nicht so aufgeregt, eher freudig erregt, denn die Atmosphäre war super. Tausende Läufer und Fans auf den Straßen, dazu noch Bands, Trommler, Fotografen, Moderatoren…  man wusste nicht, was man zuerst anschauen sollte.

Die Laufstrecke verlief zunächst 10 km in Schleifen durch das Frankfurter Bankenviertel, dann überquerten wir den Main und es ging am Südufer des Mains immer nach Westen Richtung Frankfurt Höchst. Unterwegs gab es reichlich Verpflegungs-Stände und ein älterer Läufer gab mir und den anderen den Tipp, an den Versorgungsstellen zu Tee zu greifen, was ich dann auch beherzigt habe.

Wir sind ca. 7 Kilometer zu viert gelaufen, dann bin ich mit Andrea weiter gelaufen und Christel mit Norbert. Nach einer Stunde war ich überrascht, wie schnell die Zeit bis dahin vergangen war. Während des Laufs wurden wir häufig von Staffelläufern überholt, was mich aber nicht weiter gestört hat. Alt und Jung liefen zusammen, einige waren verkleidet. Es gab Barfußläufer, Clowns und ich habe sogar den „Mann mit dem Hammer“ gesehen: Gott sei Dank nur in Form eines verkleideten Läufers mit einem Riesenplastikhammer!

Ab dem 20. Kilometer bin ich dann alleine gelaufen, da Andrea und ich doch ein unterschiedliches Tempo gelaufen sind. Im Vorfeld habe ich mir so meine Gedanken gemacht, wie ich auf der Strecke wohl alleine klar komme.  Dies stellte sich jedoch als unproblematisch heraus, da es unterwegs viel zu gucken gab, ich immer noch die Puste hatte um mich kurz mit anderen Läufern oder Zuschauern zu unterhalten und die Bands und Trommler für gute Unterhaltung sorgten.

Henni und Frank sowie Anke und Martina haben uns uns Angerländer Läufern an etlichen Stellen in Frankfurt zugewunken und zugejubelt  und uns damit noch zusätzlich motiviert. Das war wirklich klasse und ist absolut nicht selbstverständlich!

Unterwegs habe ich aber auch in regelmäßigen Abständen von meinen mitgeführten Gels genascht und ein paar Stücke Bananen von den Ständen gegessen, damit mich meine Kräfte auch bloß nicht verlassen.

Viele Frankfurter Einwohner haben am Rande der Strecke den Läufern selbstgebackenen Kuchen, Waffeln und auch halbe Mettbrötchen angeboten. Das fand ich super nett, aber wenn ich eines auf der Strecke nicht hätte essen können, dann ein Mettbrötchen. Trotzdem gingen die scheinbar gut. Als ich an der besagten Stelle ankam, konnte ich das letzte halbe Brötchen dankend ablehnen.

Da ich im Training nur 32 km absolviert hatte, war ich doch gespannt, was danach wohl passieren würde. Ich muss sagen, ich war so abgelenkt und habe mich so auf die Ziellinie gefreut, dass ich auch die letzten 4 Kilometer (die zugegebenermaßen etwas schwerer fielen) noch ganz gut laufen konnte.

Es ging wieder durch die zügigen Straßen des Frankfurter Bankenviertels und die Unterstützung vom Straßenrand war toll. Anfeuernde, heisere Zuschauer, eine letzte Kurve  und kurz vor der Frankfurter Festhalle noch einmal Henni und Frank! Und dann der krönende Abschluss: der Einlauf über den roten Teppich  in die Frankfurter Festhalle. Musik, jubelnde Zuschauer, eine tolle Deckenbeleuchtung und die Ziellinie! Aus lauter Freude und Übermut habe ich noch eine kleine Schleife gedreht – ich konnte halt nicht anders!

Ich fühlte mich überraschend gut und bin direkt die Treppen runter gegangen, um mir meine Medaille abzuholen. Dafür halte ich doch gerne meinen Kopf hin!

Im Zielbereich habe ich mir noch eine warme Suppe geholt und eine halbe Banane! Vielleicht bin ich doch wegen der Gratis-Bananen gelaufen. Apropos Bananen: Für den 37. Mainova Marathon wurden 5,5 Tonnen Bananen geordert!!!

Als Fazit kann ich sagen:  Das war eine tolle Veranstaltung mit einem super Team (Motto: „11 Freunde sollt ihr sein“), wo sich jeder über den Erfolg des Anderen gefreut hat. Ich bin froh, dass ich dieses schöne Wochenende mit den anderen Angerländern hatte. Vor dem Marathon dachte ich mir: „Das machst du bestimmt nur einmal“. – Jetzt überlege ich noch einmal….

 

Petra Schmitz

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